Planungshinweise

Sie finden hier die wichtigsten Planungsgrundlagen, für weitere Details wenden Sie sich an unsere Mitglieder bzw. fachkundige Planer. Beachten Sie schon in der Planungsphase die angeführten Punkte und haben Sie stets das gewünschte Vegetationsziel vor Augen, nachdem sich der Gründachaufbau richtet.

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PLANUNGSCHECKLISTE GRÜNDACH

1. Wurzelschutz

  • nach FLL-Dachbegrünungsrichtlinie oder DIN EN 13948
  • wurzelfeste Dachabdichtung oder zuzätzliche Wurzelschutzbahn
  • Anschlüsse, Anschlusshöhen
  • flächendeckend mit Schutzlage

2. Zusätzliche Flächenlast

  • durch die Dachbegrünung
  • durch Verkehrslasten bei genutzten Dachterrassen

3. Gefälle / Dachneigung

  • bei gefällelosen Dächern bei Extensivbegrünungen achten und ggf. bei Pfützenbildung Gegenmaßnahmen einplanen
  • ab 10 ° Dachneigung sind Sicherungsmaßnahmen gegen das Abrutschen des Gründachaufbaus zu ergreifen
  • begeh- und befahrbare Dächer benötigen ein Mindestgefälle von 2-3 %

4. Windsoglast und Verwehsicherheit

  • vor allem bei hohen bzw. windexponierten Gebäuden

5. Brandschutzvorschriften

6. Entwässerung

  • ausreichende Anzahl der Dachabläufe
  • ausreichend dimensionierte Dränageschicht

7. Schichtaufbau Gründach

  • je nach Pflanzenziel bzw. Nutzungsform

8. Wasseranschluss

  • zur dauerhaften Bewässerung von Intensivbegrünungen
  • zur Startbewässerung von Extensivbegrünungen

9. Absturzsicherung

  • ab 2 Meter Absturzhöhe
  • Verpflichtung des Bauherrn bzw. Planers
  • Bau- und Nutzungsphase

10. Zugang zum Dach

  • zu Pflege- und Wartungszwecken

11. Abstimmung mit anderen Gewerken

  • Kombination Photovoltaik/Gründach
  • Kombination Gründach und Brauchwassernutzung
  • Kombination Gründach als Retentionsdach

Dachkonstruktionen

Warmdach

Kaltdach

Umkehrdach

Duo-Dach

Auf leichter Schale

Absturzsicherung

Maßnahmen zur Absturzsicherung müssen von vorne herein eingeplant werden, wenn die Dachfläche höher als zwei Meter ist. Bei begehbaren Dachgärten sind Geländerkonstruktionen unabdingbar, bei Extensivbegrünungen sind für die Pflege und Wartung Anschlageinrichtungen für die persönliche Schutzausrüstung vorzusehen.

Diese Anschlagpunkte können so eingebaut werden, dass sie nicht durch die Dachabdichtung gehen und nicht in die Unterkonstruktion eingreifen, sondern ihre Standsicherheit durch die Auflast des Gründachaufbaus erhalten.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Schlaglicht 5 Leitfaden zur Absturzsicherung hier.

Extensivbegrünungen wiegen in der Regel 80–170 kg/m², bei „Leichtdachbegrünungen“ sogar nur etwa 50 kg/m². Intensive Dachbegrünungen haben Flächenlasten ab ca. 300 kg/m².

Die Angaben beziehen sich auf den wassergesättigten Zustand mit Vegetation. Die Schneelast und gegebenenfalls Verkehrslast sind gesondert zu berechnen. Eine Extensivbegrünung wie sie oft auf Carports und Garagen zu sehen sind wiegt etwa 120 kg/m², was einer Kiesschicht von etwa 5-6 cm entspricht.

Das heißt, wenn auf der Garage vorher schon Kies als Schutzbelag war, wäre eine ausreichende Lastreserve für eine Extensivbegrünung vorhanden.

Aufbau und Material der Dachbegrünung

Extensive Dachbegrünung

Intensive Dachbegrünung

Entweder übernimmt die Dachabdichtung auch gleichzeitig die Funktion des Wurzelschutzes oder es wird zusätzlich zur (nicht-wurzelfesten) Dachabdichtung eine separate Wurzelschutzbahn aufgebracht

Die Dachabdichtung bzw. die Wurzelschutzbahn muss das FLL-Prüfverfahren auf Durchwurzelungsfestigkeit und Rhizomfestigkeit ohne Beanstandungen erfolgreich absolviert haben. Dabei wird in einem von der FLL vorgegebenen zwei- oder vierjährigen Untersuchungsverfahren die Wurzelfestigkeit überprüft und ein Untersuchungsbericht angefertigt. Der Bundesverband GebäudeGrün (BuGG) bietet eine Liste der wurzelfesten Bahnen und Beschichtungen an, die die FLL-Prüfung erfolgreich bestanden haben: WBB-Liste.

Der Wurzelschutz muss je nach Dachneigung im Randbereich 5-10 cm über die Oberfläche des Substrats hinausgezogen, wegen der Gefahr der Hinterwurzelung fixiert und vor mechanischer Beschädigung und UV-Strahlung geschützt werden.

Begrünte Dachflächen sollten vollflächig mit Wurzelschutz unterlegt werden, d.h. auch die Bereiche, die nicht direkt begrünt sind (wie z.B. Kiesrand, Terrasse). Denn bei fehlender bzw. mangelhafter Pflege können sich auch bei vormals unbegrünten Teilflächen Pflanzen spontan ansiedeln. Nur erfahrene und qualifizierte Fachfirmen sollten Dachabdichtungs- und Wurzelschutzbahnarbeiten durchführen. Die Nähte der Wurzelschutzbahn müssen absolut wurzeldicht verbunden werden

Für mehr Infos können Sie sich hier die aktuelle WBB-Liste herunterladen.

Das Überschusswasser des Gründachaufbaus wird über die Dränageschicht zum Ablauf hingeführt. Die Dachentwässerung erfolgt dann ebenso wie bei unbegrünten Dächern über innen- oder außenliegende Abläufe/Rinnen. Etwa 300 – 400 Quadratmeter begrünte Dachfläche können unter Normalbedingungen an einen Ablauf mit einer Öffnungsweite von DN 100 angeschlossen werden. Jedes Dach, egal in welcher Größe, benötigt mindestens einen Ablauf und einen Notüberlauf. Bei Carports und Garagen ist i.d.R. ein Ablauf ausreichend.

Entwässerungseinrichtungen müssen zur Kontrolle immer sichtbar sein, d. h. frei von Vegetation bleiben.

Weitere Informationen finden Sie in auch in unserem Schlaglicht 4 Entwässerung mit Druckströmung bei begrünten Dächern hier.

Bei lose verlegten Dachabdichtungen sind Mindestgewichte zur Sicherung der Abdichtung gegen Abheben zu beachten. Eck- und Randbereiche sind besonders bei höheren bzw. windexponierten Gebäuden betroffen. Ist die Abdichtung mechanisch fixiert und ist somit eine Last zur Sicherung nicht notwendig, ist der Schichtaufbau des Gründachs dennoch bei großen Gebäudehöhen verwehsicher einzubauen.

Bei Extensiven Dachbegrünungen ist die Oberfläche besonders in der Etablierungsphase durch Winderosion gefährdet. Hier können vorübergehende Schutzmaßnahmen erforderlich sein. Das kann durch Vegetationsmatten und zusätzlich mit Kies verfüllten Rasengittersteinen oder Plattenbelägen im Randbereich erfolgen. Kleinflächige Dachbegrünungen im privaten Wohnungsbau benötigen i.d.R. keine besondere Maßnahmen.

Pflanzgefäße mit höheren Einzelpflanzen müssen kippsicher fixiert werden. Solitärgehölze auf Dachgärten sollten dauerhaft gesichert werden.

Brandvorschriften

In der Regel gelten Dachbegrünungen als „Harte Bedachung“. Die länderspezifischen Brandschutzvorschriften sind zu beachten. Vor Fensteröffnungen sind in der Regel Kies- oder Plattenstreifen in einer Mindestbreite von 50 Zentimetern vorzusehen. Bei Neubauten sind die Brandschutzauflagen der Baugenehmigung zu beachten.

Pflanzlisten zur Intensiv- und Extensivbegrünung

 Pflanzlisten (Stauden und Gräser zur Extensivbegrünung; Pflanzen und Gräser zur Intensivbegrünung)

Außerdem finden Sie unser Schlaglicht 9 Geeignete Gehölze für Dachbegrünungen hier.

Pflege und Wartung (Instandhaltung)

Wie jedes andere Dach (z. B. Kiesdächer), so müssen auch begrünte Dächer jährlich gewartet und gepflegt werden. Bei der Wartung stehen die technischen Einrichtungen (Abläufe, Dachabdichtungsanschlüsse, Absturzsicherungen) im Vordergrund, bei der Pflege die Entwicklung der Begrünung.

Bei der Pflege werden vom zeitlichen Ablauf Fertigstellungs-, Entwicklungs- und Unterhaltungspflege unterschieden. Die dabei zu erfüllenden Maßnahmen richten sich nach der Begrünungsform und –art.

Extensivbegrünungen

  • Entfernen von unerwünschtem Aufwuchs
  • Düngen
  • Wässern (in der Regel nur in der Keimphase)
  • Anwalzen von Frosthebungen (nur in der Keimphase)
  • Mähen
  • Entfernen des Schnittgutes
  • Entfernen von Laub und Unrat
  • Nachsaaten bei Fehlstellen • Nachpflanzungen bei Fehlstellen
  • Nachfüllen von Substrat
  • Pflanzenschutz

Weitere besondere Leistungen aus dem Bereich der Wartungsarbeiten können sein: 

  • Freihalten von Rand- und Sicherheitsstreifen sowie von Platten- und anderen Belägen von unerwünschtem Aufwuchs
  • Säubern von Sicherheitsrinnen, Kontrollschächten, Dachabläufen und anderen Entwässerungseinrichtungen

In der Regel können bei extensiven Gründächern ein bis zwei Pflegegänge pro Jahr erforderlich werden.

Weitere Informationen finden Sie in auch in unserem Schlaglicht 8 Pflege von Extensivbegrünungen hier.

Intensivbegrünungen

Ergänzend zu den oben genannten Leistungen können weitere Arbeiten anfallen: 

  • Schnittarbeiten
  • Mulchen
  • Laub entfernen
  • Winterschutzmaßnahmen
  • Nachrichten von Verankerungen
  • Entfernen von nicht mehr erforderlichen Verankerungen
  • Entfernen von zu stark wachsenden oder kranken Einzelpflanzen

Hier können in der Regel vier bis acht Pflegegänge im Jahr erforderlich sein.

Begehbaren Rasenflächen: 

Neben den oben genannten Leistungen noch folgende Arbeiten:

  • Laubbeseitigung
  • Verticutieren
  • Aerifizieren
  • Besanden

In der Regel sind bei Rasenflächen zwei bis 12 Pflegegänge erforderlich.

Normen, Richtlinien & Literaturhinweise:  

Dachbegrünung

Verkehrsflächen

Dachabdichtung

Kombination von Photovoltaik und Dachbegrünung

Die Kombination von Photovoltaik und Dachbegrünung wird zwar schon seit Jahrzehnten in verschiedenen Varianten praktiziert, dennoch sind sogenannte „Solar-Gründächer“ lange noch keine Selbstverständlichkeit. Viele Bauherren, Planer und Ausführenden haben noch Vorbehalte gegen eine Kombination oder wissen gar nicht, dass diese möglich ist.

Erfolgsfaktoren Solar-Gründach

Für die nachhaltige Umsetzung von Solar-Gründächern sind folgende Grundsätze („Erfolgsfaktoren“) zu beachten:

  1. Vermeidung der Verschattung der Solar-Module.
  2. Ausreichend Reihenabstände. Aufstellung der Module und Modulreihen so, dass eine Instandhaltung gut möglich ist.
  3. Verwendung auflastgehaltener Solar-Gründach-Systeme.
  4. Regelmäßige, fachgerechte Instandhaltung (Pflege und Wartung).
  5. Rechtzeitige Einbeziehung aller beteiligten Gewerke, einschließlich Planung.

Vermeidung der Verschattung der Solar-Module

Um Verschattungen der Solar-Module durch zu hohe Pflanzen zu vermeiden, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Ausreichend großer Abstand zwischen Substratoberfläche und Modulunterkante von mindestens 20 cm. Je nach gewählter Pflanzenauswahl sollte der Abstand ggf. größer sein. Abstände von mindestens 30 cm haben sich bewährt.
  • Verwendung geeigneter Pflanzen mit niedrigem Wuchs und dichtem Flächenschluss. Damit die Solar-Module nicht verschattet werden, sind niedrigwüchsige Pflanzen mit einer maximalen Wuchshöhe von 15 – 20 cm und dichtem Flächenschluss zu empfehlen. Niedrige, schattenverträgliche Pflanzenarten mit hohem Deckungsgrad unter den Solar-Modulen hemmen das Aufkommen unerwünschten Fremdbewuchses.
  • Anlage eines Kiesstreifens vor den Solar-Modulen, um die Pflanzenentwicklung einzuschränken und bei Bedarf einfacher pflegen zu können.
  • Auslegen von Betonplatten vor den Solar-Modulen, um Pflanzenaufwuchs zu vermeiden. Gleichzeitig können die verlegten Platten als Wartungswege dienen.
  • Geringe Substrathöhe (von etwa 5 – 8 cm) vor den Solar-Modulen, um höherwüchsige Arten auszuschließen. Bei ballastierten Systemen ist die benötigte Mindestauflast zur Standsicherung zu beachten.

Ausreichend Reihenabstände

Zur Durchführung der Pflege und Wartung sind Wartungswege und Absturzsicherungen vorzusehen. Es ist auf einen ausreichenden Abstand zum Dachrand und einen Abstand der Modulreihen untereinander (je nach Ausrichtung mindestens 50 – 80 cm) zu achten. Kabel und weitere zur Solaranlage gehörende Bauteile sind so zu montieren, dass z. B. Pflanzenschnitt problemlos möglich ist.

Verwendung auflastgehaltener Solar-Gründach-Systeme

Auflastgehaltene Solar-Gründach-Systeme sind zu bevorzugen, da hierbei die Photovoltaikaufständerungen nicht in die Dachabdichtung/Dachkonstruktion eingreifen und damit Wärmebrücken und Undichtigkeiten vermieden werden. Die Last des Gründachaufbaus hält die Photovoltaikaufständerungen lagesicher auf dem Dach.

BuGG-Fachinformation „Solar-Gründach“ und BuGG-Fokus „Solar-Gründach“

In der BuGG-Fachinformation „Solar-Gründach” sind die wichtigsten Grundlagen und Handlungshinweise für dauerhaft funktionsfähige Solar-Gründächer zusammengestellt. Es werden Begriffe erläutert, Planungsgrundlagen und verschiedene Anwendungsfälle produktneutral beschrieben. Die BuGG-Fachinformation umfasst 52 Seiten, Pflanzenlisten und ist mit fast 80 Abbildungen und Beispielfotos anschaulich bebildert. Sie wendet sich vor allem an Architekten, Städteplaner, Bauherren und Ausführende und kann gegen eine Schutzgebühr von 19 Euro zuzüglich Versandkosten bestellt werden.

Der BGG hat zur breiten Streuung und weitläufigen Erst-Information zu diesem Thema zusätzlich den BuGG-Fokus „Solar-Gründach“ veröffentlicht. Dieser bringt das Wichtigste der gleichnamigen Fachinformation auf einer Doppelseite und ist kostenfrei als Download und Drucksache verfügbar.

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